„Mut tut gut!“
Encouraging-Training (Schoenaker Konzept) für Erwachsene
1.Theorie und Hintergrundwissen
1.1. Das Encouraging-Training Schoenaker-Konzept
Das Encouraging-Training nach Theo Schoenaker ist ein individualpsychologisches Konzept zur optimistischen Lebensgestaltung, dessen wichtigster Träger die Ermutigung ist. Das Training wurde 1989 von Theo Schoenaker entwickelt und gilt als erprobtes und effektives Konzept, das von kompetenten Trainer/innen angeboten wird. In einer zweijährigen Ausbildung im Adler-Dreikurs-Institut in Bockenem (bei Hildesheim) lernen wir Trainer/innen das bedeutende Prinzip der Individualpsychologie, nämlich Ermutigung, zu leben und in Form des Encouraging-Trainings weiter zu geben. Das Training erstreckt sich über 10 Einheiten, von jeweils 1,5 bis 2,5 Stunden, die in wöchentlichen Abständen stattfinden. Es ist ein praktisch ausgerichtetes Training zum Erlernen und Anwenden von Ermutigung in Familie, Arbeit und Gemeinschaft. Und es verbessert generell die Lebensqualität. Das Encouraging-Training wird in ganz Deutschland und in vielen europäischen Ländern (Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Niederlande, Frankreich) und in den USA erfolgreich angeboten.
Ziel des Trainings:
1. ein aufbauender Umgang mit sich selbst
2. Sicherheit und Gelassenheit in den täglichen Aufgaben
3. Mut und Selbstvertrauen durch Erkennen und Einsetzen der eigenen Stärken und Fähigkeiten
4. eine bessere Kommunikation in Familie, am Arbeitsplatz und unter Freunden.
1.2. Die Individualpsychologie und die Ermutigung
Neben den Grundprinzipien der Ganzheitlichkeit, der Zielgerichtetheit und der Annahme, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, spielt das Prinzip der Ermutigung eine bedeutende Rolle.
Es ist das einzige Mittel, welches das natürliche Wachstumspotential der Menschen zur Entfaltung bringen kann. Wenn wir konstruktive Entwicklungsprozesse im einzelnen Menschen, in Gruppen oder in der Gesellschaft vorfinden, so wurden dise durch Ermutigung ausgelöst.
Vieles, was wir als Leid oder Freude erleben, wurde eingeleitet oder verstärkt durch Entmutigung bzw. Ermutigung.
Durch Ermutigung bauen wir uns selbst und andere auf, und so ist die Ermutigung die Grundlage für alle Erziehungs-, Wachstums- bzw. Lernprozesse und jede konstruktive Zusammenarbeit mit Erwachsenen und Kindern. Ermutigung ist der wirksamste Faktor in der psychologischen und padagogischen Arbeit.
So wurde Ermutigung schließlich die Grundlage für das Encouraging-Training Schoenaker-Konzept.
2. Selbsterfahrung
„Ich bin Tatjana, die Mutige! Ich bin zielstrebig und lebe meine Träume ....“ - das ist ein Auszug aus einer Übung des Ermutigungstrainings.
Jeder kann lernen, mutiger zu sein. Es bedarf manchmal erstaunlicherweise nur kleiner „Tricks“, um sein Leben bewußter zu gestalten. So wie ich es zum Beispiel geschafft habe, mit 60-Sekunden-Vorträgen vor 6-12 Personen meine Sprechangst vor Gruppen zu besiegen. Der Anfang ist oft der schwierigste und aufregendste Moment. Nach meinem 10-wöchigen Gruppentraining, konnte ich sogar länger und vor größeren Gruppen oder sehr großen Auditorien reden.
Das Ermutigungstraining ist aber nicht als reines Sprechtraining gedacht, was man aufgrund meiner logopädischen Ausbildung mißverstehen könnte. Ich habe mich Anfang 2005 für die Ausbildung zur Encouraging-Trainerin entschlossen, damit ich meinen Mitmenschen noch mehr als Sprach-, Sprech, Stimm- und Schlucktherapie anbieten kann. Ich erlebe in meiner Arbeit in intensiven Stottertherapien, in logopädischen Praxen, aber auch im Privatleben, viele Menschen, die entweder unsicher oder unzufrieden mit ihrem
Leben sind oder sich schwer tuen, Entscheidungen zu treffen. Das muß dann nicht alle drei Lebensaufgaben - Liebe, Arbeit und Gemeinschaft - gleich betreffen, sondern kann
auch unterschiedlich gewichtet sein. Jemand, der im Berufsleben selbstsicher und standfest auftritt, kann sich im Privatleben ganz anders fühlen - und umgekehrt. Im Ermutigungstraining geht es darum, erstmal zu schauen: „wer bin ich eigentlich?“, „was habe ich für Qualitäten und Fähigkeiten?“, „was sind meine Lebensziele?“ ... das allein macht schon mutiger und selbstbewußter. Und dann schaut man: „wie kann ich meine Fähigkeiten und Qualitäten im Umgang mit meinen Mitmenschen einsetzen?“, „wie kann ich die Kommunikation mit meiner Familie, meinen Kollegen, meinen Freunden verbessern?“. Wenn man also selbst gestärkt ist, kann man ganz anders auf seine Mitmenschen eingehen.
Mit dem Encouraging- Training kann man allerdings nicht sein ganzes Leben umkrempeln. Schließlich sind an allen zwischenmenschlichen Beziehungen immer mindestens zwei Personen beteiligt. Ich kann meinen Anteil in der Kommunikation verändern, ich kann auch meine Einstellung zu mir selber verändern, aber ich kann nicht den Anderen verändern. „Mut tut gut!“ ist kein Training mit rosaroter Brille, wo man alles nur ins positive Licht rückt. Es ist ein Training zur realistisch-optimistischen Lebensgestaltung. Und es ist wohlgemerkt ein Training, keine Therapie! Jeder hat während des Trainings Selbstverantwortung für sich zu tragen.
Mut tut gut, weil ich z.B. ohne den Mut, ihm zu sagen, dass ich ihn liebe, nicht meinen Lebenspartner gefunden hätte. Als ich 2003 die 10 Einheiten des Ermutigungstrainings bei meiner ehemaligen Lehrlogopädin besucht habe, habe ich herausgefunden, was meine Lebensziele sind und ich habe den Mut gehabt, meine derzeitige Arbeit zu kündigen und mich selbstständig zu machen.
Tatjana Becker 19.09.2006
3. Im Folgenden eine Zusammenfassung von Heidi Bergen aus Oldenburg:
Informationen zum Encouraging-Training Schoenaker-Konzept
Was bedeutet „Encouraging“?
„Encouraging“ bedeutet frei übersetzt „Ermutigung“.
Die Ermutigung bildet das Kernstück dieses individualpsychologisch geprägten Konzeptes zur optimistischen oder positiven Lebensgestaltung.
„Wenn ich dich anschaue, berühre, ein gutes Wort der Anerkennung sage, Dich sein lasse, wie Du bist, Dich in Deinen eigenen Absichten bestärke oder Dich anlächle, und Du fühlst Dich dadurch besser, dann war das, was ich tat , eine Ermutigung für Dich.“( Zitat aus „Mut tut gut“ v. Schoenaker)
Encouraging zielt auf die Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen im positiven Sinne ab, und zwar dort, wo wir uns selbst und unsere Beziehungen durch wiederkehrende erlernte Denk- und Verhaltensmuster belasten, indem wir zuerst auf das schauen, was nicht gut war, uns unter (Leistungs- und Erfolgs-) Druck setzen, jeden Fehler ankreiden und dazu neigen, uns selbst sowie auch andere zu kritisieren und abzuwerten.
Dieses negative fehlerorientierte Denken und Verhalten mündet dann häufig in mangelnde Selbstannahme und das Gefühl, sich in Gegenwart anderer nicht zugehörig zu fühlen, nicht gleichwertig zu sein.
Bei dem Encouraging-Training handelt es sich um eine Art Lernmodell zur Entwicklung von ermutigenden Fähigkeiten, die jeder erwerben kann und diesbzgl. lernen kann, diese in seinen Lebensaufgaben:
„Partnerschaft u. Familie“ ; „Arbeit u. Beruf“ sowie in der „Gemeinschaft mit anderen“ ( Freunde, gemeinnützige Aufgaben ect.) erfolgreich umzusetzen.
Training besagt, daß Fortschritt und Veränderung nicht ohne persönlichen Einsatz erreicht werden können.
Es geht darum, in Form von Übungen und gedanklichen Anregungen eine andere Grundeinstellung zu sich selbst und dem anderen zu erlangen, eine Einstellung, die zunächst vor allem auf Selbstannahme, dem Eintreten für sich selbst trotz Fehlern, Ängsten und der Erfahrung, unzulänglich bzw. unvollkommen zu sein basiert und die die Erkenntnis vermitteln soll, daß jeder, so wie er/sie ist, gut genug ist.
„Ermutigung erwirkt in Dir eine Veränderung der inneren Haltung. Ermutigung erhöht Dein Gefühl von Selbstachtung, stärkt den Glauben an Deine Fähigkeiten und führt Dich zu dem Schluß: `So wie ich bin, bin ich gut genug´ und zu der Überzeugung: `Ich kann ´“.( aus „Mut tut gut“ )
Der Erkenntnis folgt das praktische Ausprobieren von ermutigenden Fähigkeiten und Verhaltensweisen im Alltag, was erst wirkliche Veränderung möglich werden läßt.
Das Training erfolgt in 10 Einheiten, d.h. an 10 Abenden. Die Inhalte der Einheiten bauen logisch aufeinander auf und sind in folgende 6 Stufen gegliedert:
1. wird mit einer körperlichen Entspannung begonnen, um sich von gedanklichem
„Ballast“ frei zu machen und aufbauende Gedanken in sich aufzunehmen;
2. geben die Teilnehmer/innen eine Rückmeldung über die Trainingsaufgaben, die
sie für zu Hause mitbekommen haben;
3. gibt entweder der/die Encouraging-Trainer/in eine Information zum jeweiligen Thema des Abends, das einen besonderen Aspekt der Ermutigung hervorhebt, oder die Gruppe sammelt Bausteine zu einem Thema;
4. beziehen sich die darauffolgenden Übungen auf das besprochene Ermutigungs-
thema sowie auch
5. die Trainingsaufgaben für zu Hause, durch die insbesondere die Aufgaben und
Inhalte der Einheit gefestigt und erweitert werden;
6. bildet wiederum eine Entspannung – die Brücke – das Ende der Sitzung, in der es ferner um eine gedankliche Überleitung vom Thema des Abends hin zur
praktischen Anwendung des Gelernten im Alltag geht.
Jede Einheit vermittelt den Mut und die Sicherheit, die in der nächsten erforderllich sind.